Studientag der Don Bosco Familie
Zum Studientag über Aspekte des Jahresleitgedankens „Was ER Euch sagt, das tut! – Glaubende Menschen, befreit zum Dienen“ am 10. Januar 2026 kamen ca. 70 Zuhörer:innen in den Pfarrsaal St. Wolfgang in München. Etwa 15 weitere waren online per PC in Deutschland und der Schweiz mit dabei.
Den thematischen Vortrag hielt Prof. Johannes Bremer, Bibelwissenschaftler von der KSH Benediktbeuern, zum Thema „Demut: Entwicklung eines biblischen Ideals“. Vom Althochdeutschen her bedeutet die mouti Mut zum Dienen, d.h. dass die Grundhaltung des Dienens im Wortsinn von Demut schon angelegt ist.
Peter Heinz Menz (rechts) dankte Pater Prof. Johannes Bremer mit Geschenken.
Im Alten Testament, das den Schwerpunkt des Vortrags von Prof. Bremer bildete, gibt es vier Sprachwurzeln zu Demut. Deren Verwendung zeigt im Laufe der Entstehungszeit der Bibel eine Entwicklung. Zu Beginn geht es um die Anwendung physischer Gewalt, um jemanden elend zu machen, später um die geistliche „Armut“ vor Gott.
In Numeri 12,3 wird z.B. Moses als „sehr demütig, demütiger als alle Menschen“ bezeichnet, obwohl er als Führungsfigur des Volkes Israel wohl nicht materiell arm war. Hier wird das Wort anah verwendet. In Jesus Si-rach 45,4 heißt es, Moses wurde „um seiner Treue und Demut willen geheiligt“. Und in Sacharja 9,9 steht, „Jauchze Jerusalem, dein kommender König ist demütig und reitet auf einem Esel.“
Alle diese Stellen sind jung, d.h. um das dritte/zweite Jahrhundert vor Christus entstanden. Gott wendet sich offensichtlich besonders dem Demütigen zu. Die Folge der Demut ist der spirituelle Reichtum.
Im sog. Ersten Davidpsalter (Ps 3 – 41) ist die erwähnte Entwicklung ablesbar. Heißt es in Ps 12,6 noch: „Wegen der gewalttätigen Behandlung der Elenden … will ich nun aufstehen, spricht der Herr“, so werden in den jüngeren Psalmen die Demütigen schon als herausgehoben dargestellt. So in Ps 25,9 „Die Armen leitet er nach seinem Recht, die Armen lehrt er seinen Weg“, in Ps 35,27 „Die, die mir mein Recht gönnen, werden es hören und sich freuen“ und in Ps 37,11 „Die Demütigen werden das Land besitzen.“ Dies zeigt die Entwicklung von Elend und Armut hin zur geistlichen Demut.
Schwester Sonya, Schwester Ibilis, Schwester Pdhinghun und Pater Arnes Soshang (von links)
Dies gipfelt in Ps 149,4: „Der Herr schmückt die Demütigen mit Heil!“ Erst hier, ganz am Ende der Psalmen, ist das materielle Verständnis von Demut vollständig verschwunden. Auch in Midrasch und Talmud zählt die Demut zu den 48 Tugenden des Gläubigen.
In den Evangelien wird Demut vorwiegend auf Jesus selbst bezogen, z.B. in Mt 20,28: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben…“ oder in Mt 11,29: „Nehmt mein Joch auf Euch und lernt von mir, denn ich bin von Herzen demütig.“
Im Philipperbrief schreibt Paulus (2,8): „Er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod am Kreuz.“ Und Paulus ruft die Gläubigen auf, so zu sein wie Christus (2,3): „…, sondern in Demut schätze einer den anderen höher ein als sich selbst.“
Das freiwillige Ablegen von Status vor Gott und der Dienst an den Mitbrüdern entwickelte sich immer mehr, je dringlicher für das jüdische Volk die Armut im Materiellen wurde, so Prof. Bremer. Daraus ergäben sich für ihn im Hinblick auf den Jahresleitgedanken 2026 die Fragen: Wie kann ich anderen helfen? Wie kann ich Ressourcen gerecht verteilen? Wie komme ich dem Kernsatz näher „Was er euch sagt, das tut!“?
Nach dem Vortrag diskutierten die Anwesenden in Kleingruppen über das Gehörte, bevor es zum vorzüglichen Mittagessen in die Mensa des Salesianums ging. Wieder zurück im Pfarrsaal stellte P. Josef Grünner am Beispiel des mit 37 Jahren ermordeten Missionars P. Rudolf Lunkenbein SDB Demut und die Aufforderung „Was er euch sagt, das tut!“ von einer ganz anderen Seite dar. P. Rudolf, der schon als Jugendlicher die drängende Berufung zum Missionar spürte, wählte als Primizspruch „Gekommen, um zu dienen“ (Mt 20,28) und erfüllte ihn im Einsatz für die Bororo im Bundesstaat Mato Grosso so sehr, dass ihn diese als einen der Ihren in den Stamm aufnahmen. 1976 wurde P. Lunkenbein von weißen Landbesitzern ermordet. Sein Seligsprechungsprozess als Märtyrer wurde bereits 2018 auf Diözesanebene begonnen, 2024 nach Rom weitergeleitet und am 20. November 2025 von den theologischen Beratern des Dikasteriums für die Seligsprechungen positiv beurteilt. Nun liegt es an den Kardinälen dieses Gremiums die abschließende Entscheidung zu fällen.
Gruppenbild der Teilnehmenden
Nach einem weiteren Austausch in Kleingruppen über das Lebenszeugnis der Demut von P. Lunkenbein folgte die Abschlussandacht, die P. Heinz Menz gestaltete und im Rahmen derer die drei anwesenden Visitation Sisters of Don Bosco (VSDB) aus Würzburg zusammen mit P. Arnes Sohshang ein Lied auf Khasi sangen.
Es war für alle Anwesenden wieder ein Tag des freudigen Wiedersehens, tiefgehender Impulse für 2026 und auch des Sich-Neu-Kennenlernens. Ein Vergelt´s Gott an alle, die organisatorisch daran mitgewirkt haben…
Text und Fotos:
Dr. Paul Klein SMDB, OZ Buxheim
